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Geschichte

Geschichte der Gemeinde Karvia

Auszüge aus dem Text von Iiris-Maija Koivujärvi-Viitala.

Zwischen 1450 und 1850, während der sogenannten Kleinen Eiszeit, war das Klima deutlich kälter als heute. Da Karvia auf einem Plateau liegt und höher als die umliegenden Gebiete ist, war es hier noch kälter und bot keine Chance für Ackerbau. Dies erklärt, warum Karvia im Vergleich zum Rest der Region erst sehr spät besiedelt wurde. Allerdings wurden in Karvia, am Ufer eines damals großen Sees, Fundstücke aus der Steinzeit (8000–1300 v. Chr.) entdeckt. In der darauf folgenden Bronzezeit ging die Bevölkerung zurück, doch in der Eisenzeit (500 v. Chr. bis 1300 n. Chr.) wuchs sie wieder an, und die heutigen Bewohner sind Nachfahren der Menschen aus der Eisenzeit.

Ursprünglich war Karvia die nördlichste Ecke von Suur-Sastamala. Im 1200. Jahrhundert wurde es in Kyrö und Karkku geteilt. Der Überlieferung nach gingen die Einwohner Karvias in Karkku zur Kirche. Damals gab es jedoch keine Einwohner in Karvia; lediglich Jäger, die auf Jagdreise waren, besuchten die Kirche in Karkku. Einige Forscher vermuten, dass der Name Karvia vom Haus „Karva“ in Karkku stammt.

Karvia gehörte im 300. Jahrhundert jedenfalls zu Kyrö. Weltlich gesehen war Karvia Krongut, auf dem sich auch private Erholungsgebiete befanden. Im 1500. Jahrhundert wird erwähnt, dass Karvianlampi, das heutige Kirkkojärvi, ein Naturschutzgebiet des Dorfes Heinijärven war.

In den 1630er Jahren wurde in Karvia eine Festung namens Kyrön Skanssi errichtet, um Deserteure des Militärs zu überwachen. Kyrön Skanssi lag an der damaligen Grenze zwischen Österbotten und Finnland. In den 1650er Jahren wurde dort eine Garnison stationiert, deren Bewohner sich der neuen Siedlung Karvianjoki vehement widersetzten.

Nach Mitte des 1600. Jahrhunderts begannen die Einwohner von Ilmajoki im Karvianjärvi-See zu fischen. Sie verzeichneten den See als Teil ihres Erholungsgebiets auf ihren Karten, und auch die Einwohner von Kyrö erhoben Anspruch auf die Karvianjärvi-Seen. 1652 wurde ein Kompromiss erzielt: Die Häuser von Karvian sollten ihre Steuern an Hämeenkyrö zahlen, aber der Kapelle von Kauhajoki gehören. Die endgültige Festlegung des heutigen Gebiets erfolgte 1783.

So wurde Kyrö zum Verwalter, und Karvia bildete dessen nördlichsten Punkt. Kyrö war in vier gleich steuerpflichtige Viertel unterteilt. Karvia gehörte zum größten von ihnen, dem Viertel Lahdenpohja. Jedem Viertel wurde ein Bauer zur Steuererhebung zugeteilt. Nach und nach wurden die Steuern immer höher. Allerlei zusätzliche Abgaben wurden den Bauern auferlegt.

Zur Zeit der Puijasoda (1596) entstand die erste dauerhafte Siedlung in Karvia, offenbar am Ufer des Karvia-Sees bei Tontinmäki. Es handelte sich nicht um eine kleine Siedlung, sondern um eine mit 15 verschiedenen Gebäuden. Die ersten namentlich genannten Einwohner Karvias wurden ab 1635 in die Steuerliste aufgenommen. Damals wurde in Karvia nur ein Haus besteuert, dessen Name 1712 Käkelä vom Bahnhof Karvia lautete. 1654 gab es bereits vier Steuerpflichtige in Karvia!

Dem Kirchenbuch von 1798 zufolge gab es in Karvia 54 Häuser oder Gehöfte. Doch 1808 begann ein neuer Krieg, der sogenannte Finnische Krieg, der Karvia ebenfalls in vielerlei Hinsicht beeinflusste.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts lag die lokale Verwaltung weitgehend in der Verantwortung der Kirche und der Pfarrei. 1866 wurde ein Gemeindegesetz verabschiedet, das die weltliche und die kirchliche Gewalt trennte. Die erste Gemeindeversammlung fand am 23. April 1866 in Karvia im Haus von Erkkilä statt, dem damaligen Standort des heutigen Pfarrhauses. Die weltliche Gewalt wurde durch einen Richter vertreten, der in Kankaanpää tagte. Die Gerichtsverhandlungen fanden in der Regel viermal jährlich statt.